8. – 10. Schuljahr

Monika Reuschenbach

Neuer Rohstoffreichtum in der Arktis

Der Klimawandel legt Lagerstätten frei

Der Klimawandel und als Folge der Rückgang des arktischen Eises verändert die Nutzung der arktischen Regionen tiefgreifend. Ins Zentrum der Betrachtung sind nicht nur neue Seewege oder eine verstärkte touristische Nutzung gerückt, sondern vor allem die Erschließung von Rohstofflagerstätten, allen voran Erdöl, Erdgas und mineralische Rohstoffe. Aber was bedeutet dies für Mensch und Umwelt? Dieser Frage gehen die Schülerinnen und Schüler im vorliegenden Unterrichtsvorschlag nach.

Sachanalyse
Bedingt durch den Klimawandel vergrößert sich in der Arktis nicht nur die eisfreie Ozeanfläche, sondern es verlängert sich auch der Zeitraum, in der die Region eisfrei wird. 2014 betrug die arktische Eisfläche nur noch rund 5 Mio.km2. Diese Fläche ist zwar größer als in den Negativrekordjahren 2007 und 2012, nach Einschätzung der Experten bestätigt die Entwicklung aber einen Trend zur Eisabnahme (vgl. AWI 2014). Auffallend dabei sind sehr große regionale Unterschiede: Während die kanadische Arktis 2014 kaum passierbar war, zog sich das Eis in der russischen Arktis so weit zurück wie noch nie.
Dies ermöglicht nicht nur den Anrainerstaaten (Kanada, USA, Russland, Norwegen, Dänemark), sondern auch den Einwohnerinnen und Einwohnern der arktischen Region sowie weiteren Interessierten die verstärkte Nutzung der arktischen Ressourcen trotz langer Dunkelheit und im Winter beißender Kälte.
Diese neue wirtschaftliche Situation ist aber auch aus verschiedenen Gründen schwierig.
Rechtliche und politische Situation
Die rechtliche und politische Lage ist ungeklärt. In die Diskussion bringen sich derzeit die Anrainerstaaten Russland, Dänemark, die USA, Kanada, Norwegen, Finnland, Island und Schweden ein sowie zahlreiche Beobachter, Umweltorganisationen und die Gruppen indigener Völker. Entsprechend der Seerechtskonvention dürfen die Anrainerstaaten die Rohstoffe innerhalb ihrer Seerechtsgrenzen 200 Seemeilen, etwa370km gewinnen. Der Nordpol liegt aber viel weiter vom Festland entfernt. Auch dort werden Rohstoffe vermutet. Deswegen beantragen die Staaten schon länger die Ausweitung der Gebiete. Eine zentrale Rolle spielt dabei der unter dem Meer verlaufende Festlandsockel des Lomonossowrückens. Dessen Zugehörigkeit zu einer Landmasse ist bis heute geologisch nicht zweifelsfrei geklärt. Alle Anrainerstaaten führen entsprechende Forschungen durch. Russland hat 2007 vorsorglich bereits eine Flagge auf den geographischen Nordpol gesetzt, um die Gebietsansprüche deutlich zu machen.
Je nach Perspektive wird die Diskussion um die politischen Rechte als Risiko oder als Chance betrachtet. Risiko ist sie deshalb, weil Machtfragen zu Konkurrenz und zunehmenden Konflikten führen. Strategisch wird daher von allen Anrainerstaaten in der Arktis militärisch aufgerüstet. Streitigkeiten sind vorprogrammiert, weil es um extrem sensible Energie- und Ressourcenfragen geht und viel Geld dahintersteckt, diese Ressourcen zu gewinnen und zu verwerten.
Eine Chance bietet die Diskussion, weil durch die aktuelle gesetzliche Lage eine Lösung zwischen Staaten und nichtstaatlichen Akteuren nur in einer Zusammenarbeit möglich ist. Da sich die meisten Rohstoffvorkommen in den Hoheitsgewässern der Länder befinden, ist ein Wettlauf nicht zwingend nötig. Eine zentrale Rolle spielt dabei der Arktische Rat ein Forum, das schon 1996 gegründet wurde zum Interessensausgleich in arktischen Fragen. Die Vertreter haben sich darauf verständigt, konkurrierende Gebietsansprüche friedlich und auf der Basis der Internationalen Seerechtskonvention zu klären (vgl. Perthes 2014). Es wurde beschlossen, die maritime Sicherheit zu gewährleisten, ein Mindestmaß an Ausrüstung und Fähigkeiten für den Umgang mit Risiken bereitzustellen und die Sicherheit der zivilen Nutzung zu gewährleisten. Die Staaten sind sich bewusst, dass sie die schwierigen Aufgaben der...

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