10. – 11. Schuljahr

Wolfgang Fraedrich

Der Ätna

Europas aktivsten Vulkan virtuell erkunden

Der Ätna ist Europas höchster und aktivster Vulkan und der zweitaktivste Vulkan der Erde. Er gehört trotz unaufhörlicher Aktivität zu den „gutmütigen Vulkanen, der Jahr für Jahr mehrere Millionen Touristinnen und Touristen anlockt. Die Schülerinnen und Schüler begeben sich auf eine virtuelle Exkursion, erkunden mithilfe von Koordinaten die Region um den Ätna und lernen Gemeinsamkeiten und Unterschiede der letzten Ausbrüche kennen.

Sachanalyse
Quer durch das Mittelmeer verläuft etwa von West nach Ost die Grenze zwischen zwei großen Lithosphärenplatten, der Eurasischen Platte im Norden und der Afrikanischen Platte im Süden. Die Plattengrenze spaltet sich nach Osten hin in zwei Nahtstellen auf, die die kleinere Anatolische Platte einschließen.
Auch quer durch Sizilien verläuft die Plattengrenze und dort auch durch alte Erdkrustenblöcke, wodurch sich insbesondere in Ostsizilien eine Vielfalt an tektonischen Störungen entwickelt hat. Im Bereich der Schnittstelle zwischen der Plattengrenze entlang der Eurasischen Platte im Norden und der Afrikanischen Platte im Süden und der von Südwest nach Nordost verlaufenden Comiso-Messina-Störung steigt seit rund 600000 Jahren immer wieder Magma auf und durchdringt im oberen Abschnitt mesozoische und känozoische Sedimente, auf denen der Vulkankegel schrittweise aufgebaut worden ist.
Im Verlauf seiner Entwicklung hat sich das Eruptionszentrum nach Nordwesten verlagert. Die Kissenlaven am Felsen von Acicastello (ca. 10 km nördlich von Catania) und die Zyklopeninseln etwa 2 km weiter nördlich vor Acitrezza sind Relikte des „Ur-Ätna, der einst im Meer zu entstehen begann.
Eruptionen an den Vulkanflanken
Der Vulkan ragt heute bis auf 3323 m auf. Das nach oben führende Schlotsystem mündet in vier verschiedene Gipfelkrater, die mehr oder weniger regelmäßig Magma fördern. Gegenwärtig ist der rund 40 Jahre alte Südostkrater der aktivste.
Doch Eruptionen ereignen sich nicht nur in der Gipfelregion, auch entlang der Vulkanflanken kann Magma austreten. Solche Flankeneruptionen entstehen, wenn sich das Magma beim Aufstieg in Störungen, die im Vulkangebäude verlaufen, seinen Weg bahnt, sodass es teilweise auch an den Flanken austreten kann.
Eine der spektakulärsten Flankeneruptionen ereignete sich im Jahr 1669, vom 11. März bis 11. Juli (vgl. Branca/Del Carlo 2004): Die Flanke riss am 11. März 1669 in etwa 850 m Meeresshöhe ca. 15 km nordnordwestlich der Stadt Catania auf und förderte über mehrere Monate hinweg unaufhörlich Magma, das auch Teile der Stadt Catania zerstörte und bis ins Mittelmeer floss. Anders, als immer wieder nachzulesen ist, ist bei diesem gewaltigen Ausbruch mit dem VEI 3 (Volcanic Explosivity Index = Vulkanexplosivitätsindex) allerdings niemand ums Leben gekommen.
Der durch die zahlreichen tektonischen Störungen geprägte Vulkan ist in sich instabil, was zur Folge hat, dass sich im Laufe der Entwicklung nicht nur die große Einbruchzone des Valle del Bove im Bereich der Ostflanke ausgebildet hat, sondern die Ostflanke auch gegenwärtig in Richtung Mittelmeer um mehrere Zentimeter im Jahr abrutscht.
Der Ätna ein Touristenmagnet
Mit insgesamt fast 14 Millionen Übernachtungen in Sizilien im Jahr 2016 (vgl. Statista 2018) bietet der Ätna, der seit 2013 UNESCO Weltnaturerbe ist (vgl. Zeit Online 2016), den Naturliebhabern unter den Sizilientouristen eine Vielfalt an Möglichkeiten. Auch wenn es keine aktuellen Zahlen gibt, ist der Ätna nach wie vor für Pauschaltouristen interessant. Dabei gibt es mehrere Gruppen, u.a.
  • diejenigen, die individuell einen Badeurlaub in einem der Küstenorte Ostsiziliens gebucht haben und mit einer geführten Tagestour den Ätna erkunden,
  • diejenigen, die Sizilien auf einer straff organisierten Rundreise (meist 7 – 10 Tage) kennenlernen, in deren Verlauf die kulturhistorischen Tourismusangebote im Mittelpunkt stehen,
  • die Mittelmeerkreuzfahrer,...

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