5. – 13. Schuljahr

Monika Reuschenbach · Sören-Kristian Berger

Spiele(n) im Geographieunterricht?!

Bedeutung von Lernspielen für die Vermittlung von Wissen

Spiele werden oft zur Auflockerung, als Abschluss einer Unterrichtseinheit, vor den Ferien oder als Belohnung eingesetzt. Damit aber wird der sinnhaften und lehrreichen Bedeutung von Spielen im (Geographie-)Unterricht nur unzureichend Rechnung getragen. Wann Spiele sinnvoll im Unterrichtsalltag eingesetzt werden können und welche Spielformen sich für lernzielorientiertes Arbeiten eignen, thematisiert der Beitrag.

Spielen ist eine Tätigkeit, die zum Vergnügen, zur Entspannung, zur Freude meist in Gemeinschaft ausgeübt wird. Beim Spielen kann die kognitive Entwicklung gefördert, es können motorische und soziale Kompetenzen entwickelt werden. Der Kulturanthropologe Johan Huizinga (1938/2001) definiert in seinem Hauptwerk „Homo ludens Spielen wie folgt: „Spiel ist eine freiwillige Handlung oder Beschäftigung, die innerhalb gewisser festgesetzter Grenzen von Zeit und Raum nach freiwillig angenommenen, aber unbedingt bindenden Regeln verrichtet wird, ihr Ziel in sich selber hat und begleitet wird von einem Bewusstsein des ‚Andersseins als das ‚gewöhnliche Leben.
Was sind Lernspiele?
In Abgrenzung zu Spielen in der Freizeit sollen in diesem Beitrag vorwiegend Lernspiele thematisiert werden, wohl wissend, dass viele Merkmale von allgemeinen Spielen auch für Lernspiele gelten und die Abgrenzung nicht trennscharf ist. Lernspiele sind Spiele, die zusätzlich zu einer spielerischen Handlung dem Spieler auch Wissen zu bestimmten Themen oder aber bestimmte Fertigkeiten und Kulturtechniken vermitteln (s. Abb. ). Sie machen Spaß, wecken Neugier, weisen ein hohes Maß an Selbststeuerung auf und die Konsequenzen des eigenen Handelns werden unmittelbar sichtbar. Gespielt wird oft mit realgebundenen Gesellschaftsspielen, sie verfügen über einen hohen Bezug zu real existierenden Themen bzw. Problemen. Aber auch grundlegende schulische Kenntnisse können durch das Lernspiel gefördert werden, zum Beispiel Regeln einhalten, kommunizieren, bewerten, einordnen, hinterfragen, entscheiden usw.
Weitere Merkmale des Spiels sind (vgl. Meier 1997, Renner 2008, Geissler 1998):
  • Spielen ist frei von fremden Zwecken, d.h. es hat seinen Zweck nur in sich selbst.
  • Spiele sind in sich zielgerichtet, es gibt eine innere Dynamik, die die Spieler anhält, weiterzuspielen.
  • Spiele sind durch Anfang und Ende räumlich begrenzt.
  • Spielabläufe sind offen, sie können verschiedene Ausgänge haben.
  • Spielen findet in einer (realitätsnahen, aber) Scheinwelt statt. Handeln hat keine unmittelbaren Konsequenzen auf die Wirklichkeit.
  • Spielerinnen und Spieler müssen aktiv werden und sich handelnd mit dem Spiel und den Mitspielern auseinandersetzen.
  • Spiele sind regelgeleitet, Regeln müssen anerkannt werden.
  • Im Spiel besteht in der Regel Chancengleichheit in Bezug auf Beteiligung und Gewinn.
  • Spiele enthalten Elemente des Zufalls, die für Spannung sorgen.
  • Spiele machen Spaß.
Bedeutung des Spielens in der Entwicklung
Den meisten Spielen liegen bestimmte Handlungsabläufe zugrunde. Diese ergeben sich aus den festgelegten Regeln, der Art des Spiels und den Aushandlungsprozessen der Spielerinnen und Spieler.
Je kleiner die Kinder sind, desto wichtiger ist Spielen. Dabei ist es nicht wichtig, was die Kinder spielen – im Gegenteil: Freies Spielen ohne die Einmischung von Erziehungspersonen gilt als bedeutsam für die Entwicklung der Kinder. Im Spiel können sie sich emotional, sozial, kognitiv, taktil und motorisch entfalten. Sie lernen zu warten, auszuhandeln, etwas kreativ umzusetzen, Ideen zu entwickeln, Alltagssituationen zu verstehen, Spielregeln auszuhandeln, Konflikte auszutragen und zu bewältigen, Risiken einzuschätzen usw.
In den letzten Jahren hat freies Spielen um rund 50% abgenommen, dies besonders aufgrund des relativ durchstrukturierten Wochenprogrammes vieler Familien. Organisierte Aktivitäten haben...

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