5. – 13. Schuljahr

Mikroplastik im Meer Zwei Schüler berichten von ihrer Forschung im Atlantik

Mikroplastik ist ein nicht mehr zu ignorierendes Problem, das vor allem in unseren Ozeanen immer größeren Schaden anrichtet. Deswegen beschäftigen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Schulprojektes Ocean College besonders mit diesem Thema. Die 30 Schülerinnen und Schüler der zehnten Klasse aus ganz Deutschland segeln mit dem Traditionssegelschiff „Pelican of London in sechs Monaten über den Atlantik in die Karibik und zurück. Zwei der Teilnehmer, Marcel und Lizzy, haben ihr Abitur schon in der Tasche. Ihr Schwerpunkt liegt daher nicht auf der Teilnahme am Bordunterricht, sondern sie sind verantwortlich für die Organisation und Durchführung verschiedener ozeanographischer Messungen. Hier berichten die beiden über ihren Forschungsalltag an Bord und die Ergebnisse der Messungen.

Forschungsalltag an Bord
Marcel berichtet
Alles schwankt und bewegt sich was nicht festgemacht wurde, fliegt durch die Gegend. Um uns herum hängen drei Leute gleichzeitig über der Reling, der Rest versucht, durch starre Beobachtung des Horizontes seinen Magen wieder zu beruhigen. Plötzlich ertönt der Ruf „Bracing Stations, Bracing Stations und alle, die noch dazu in der Lage sind, bewegen sich pflichtbewusst zu den Brassen, um die Position der großen Rahsegel dem auffrischenden Wind anzupassen.
Lizzy und ich versuchen, uns davon nicht ablenken zu lassen, während wir mit Mühe und Not die Geräte festhalten, welche wir für die Meerwasserprobe benötigen. Denn durch den Wellengang fallen diese beinahe vom Tisch. Schon die Probe aus dem Wasser zu holen, wird zur Herausforderung, wenn man kaum gerade stehen kann. Doch nach einigen kleineren Unfällen, wie dem Umkippen einer Probe oder knapp vermiedener Stürze, können wir die mit Mikroplastik und anderem Dreck gesättigten Filter sicher verstauen und für spätere Untersuchungen lagern.
Ungefähr so sieht der Alltag von Lizzy und mir auf der Pelican of London aus, auf der wir jetzt schon seit über vier Monaten über den Atlantik segeln und die wahrscheinlich schönsten Orte besuchen, die wir je gesehen haben. Von Dublin aus sind wir am 14. Oktober 2018 Richtung Spanien gestartet, setzten unsere Route in südlicher Richtung fort und überquerten den Atlantik von den Kap Verden aus. In der Karibik angekommen, intensivierten wir noch einmal deutlich die wissenschaftliche Arbeit auf dem Schiff, zusammen mit dem Meeresbiologen Dr. Rüdiger Stöhr vom Verein „One Earth One Ocean e.V..
Auf dieser für uns sehr aufregenden und speziellen Reise, auf der wir viel über das Segeln lernen und fantastische Erfahrungen sammeln, haben wir uns noch eine weitere Sache vorgenommen: Im Rahmen des sogenannten „Science Pathway führen wir diverse Messungen durch, um das wohl wichtigste Element unseres Planeten zu untersuchen, das bekanntermaßen durch den Menschen in negativer Weise beeinflusst wird. Vor allem zur Bestimmung des jetzigen Ist-Zustandes der Ozeane führen wir die Messungen durch, aber auch, um Erfahrungen im wissenschaftlichen Arbeiten zu sammeln. Lizzy und ich berichten im Folgenden über unseren Alltag in Bezug auf das Forschen an Bord.
Es ist noch ganz am Anfang der Reise, als ich nach einer meiner ersten Wachen völlig übermüdet zusammen mit Lizzy und Miriam, unsere Biologielehrerin an Bord und zugleich wichtigste Unterstützerin unserer Arbeit, über die nächsten Tage, Wochen und letztendlich auch Monate spreche. Gemeinsam planen wir noch einmal durch, was wir uns schon im Vorfeld der Reise vorgenommen haben, und erstellen jetzt, da wir die Abläufe an Bord kennen, einen Zeitplan für die Messungen und Datensammlungen.
Kurz danach machen Lizzy und ich uns daran, die erste Mikroplastikprobe aus dem Wasser zu holen. Hierfür benötigen wir nur eine Handvoll relativ leicht bedienbarer Geräte und etwas Glück, damit der Eimer hält. Doch dazu gleich mehr. Denn bevor wir mit den Messungen starten können, sammeln...

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