7. – 9. Schuljahr

Stefan Klafke · Ronald Hild

Leben im tropischen Regenwald

Spiel zur Bedrohung der Kleinbauern in Kamerun durch die Ölpalmindustrie

Weltweit steigt die Nachfrage nach Palmöl. Daher werden auch im tropischen Regenwald in Afrika immer mehr Flächen für den Ölpalmanbau gerodet, beispielsweise in Kamerun. Welche Auswirkungen die Ausbreitung des Ölpalmanbaus auf die dort lebenden Kleinbauern hat, erfahren die Schülerinnen und Schüler in einem Spiel. Die Spielenden planen und entscheiden gemeinsam über die Geschicke einer Dorfgemeinschaft, die versucht, inmitten von sich ändernden Umweltbedingungen ihr Überleben zu sichern.

Sachanalyse
Im September 2009 bekam der Palmöl-Hersteller Herakles die Genehmigung, inmitten des tropischen Regenwaldes im Südwesten Kameruns großflächig Ölpalmen zu pflanzen und eine Raffinerie zu bauen. Dem Unternehmen sollten 73000 ha für 99 Jahre überlassen werden.
Obwohl Kamerun zu den korruptesten Ländern der Welt zählt (Platz 153, CPI-Ranking 2017), überraschten die Vertragsbedingungen die Beobachter dennoch und sorgten für einen Eklat über die Grenzen des Landes hinaus. Herakles war es gestattet worden, bereits erschlossenes Land für zunächst einen US-Dollar pro Hektar und Jahr zu nutzen, nicht erschlossene Flächen sogar für nur einen halben US-Dollar pro Hektar und Jahr. Zudem wurde das Unternehmen von den meisten Steuern und Abgaben befreit und erhielt umfangreiche Lieferungen von Wasser, Sand und Kies.
Proteste aus der Bevölkerung
Aufgrund heftiger Proteste lokaler Bürgerinitiativen, überwiegend Zusammenschlüsse von Kleinbauern, und internationaler Umweltschützer setzte die Regierung eine Untersuchungskommission ein, die 2013 ihren Bericht vorlegte. Darin wird dem Unternehmen Herakles vorgeworfen, die ansässige Bevölkerung eingeschüchtert, falsche Versprechungen bezüglich verschiedener Infrastrukturausbauten gemacht und die traditionellen Chiefs und offiziellen Vertreter der Kommunen mit Geld und Geschenken bestochen zu haben.
Weiterhin habe Herakles arbeitsrechtliche Vorschriften ebenso ignoriert wie die ökologischen Folgen des Anbaus und dabei gegen geltendes Recht, das den Schutz des Korup-Nationalparks vorsieht, verstoßen.
88% der Fläche des Konzessionsgebietes sind mit Wald bedeckt, der zahlreiche bedrohte Tierarten beherbergt. Die übrigen 12% der Fläche bestehen aus Dörfern mit zugehörigen Feldern und landwirtschaftlich genutzten Waldflächen.
Trotz der Proteste: Herakles erhält Pachtvertrag
Im November 2013 bewilligte der Präsident Kameruns den Pachtvertrag mit Herakles trotz der Proteste. Allerdings wurde die Landfläche von den vorgesehenen 73000 ha auf knapp 20000 ha reduziert, statt der 99 Jahre wurde eine vorläufig auf drei Jahre beschränkte Pacht genehmigt. Der Pachtzins wurde auf sechs US-Dollar pro Hektar und Jahr erhöht.
Doch das war nur ein kleiner Erfolg. Experten bemängeln, dass die Änderungen das Unternehmen nicht daran hindern können, zusätzliche Landflächen zu erwerben oder sich später einen Pachtvertrag über 99 Jahre zu sichern. Weiterhin blieben ökologische Aspekte, wie die Gewährung von Emissionsrechten, unberührt.
Finanzielle Probleme brachten das Vorhaben zunächst ins Stocken. Doch inzwischen sind neue Investoren eingestiegen, die sich nun um weitere Verlängerungen der Konzessionen bemühen. Im Landwirtschaftsministerium Kameruns wurden zudem von anderen Unternehmen Anträge für Abbauflächen mit insgesamt über zwei Millionen Hektar gestellt (s. Abb. ).
Kleinbauern verlieren ihr Land
Bereits vor der Bewilligung durch den Präsidenten begann Herakles, am nordöstlichen Teil der Konzessionsfläche Grenzen zu markieren und Flächen zu roden, welche von ansässigen Bauern für sich in Anspruch genommen wurden. Hätte das Unternehmen die anfänglich zugestimmten 73000 ha zugesprochen bekommen, wären bis zu 15000 Bauern in dem Gebiet betroffen gewesen.
Die ländliche Bevölkerung in dem Gebiet setzt sich zusammen aus Bauern, die seit...

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