9. – 10. Schuljahr

Martin Riecke

Lamu Chinas Hafen in Kenia

Hafenentwicklung aus Sicht lokaler Akteure in einer Rollendiskussion bewerten

Das Hafenprojekt in Lamu ist eines der größten Infrastrukturprojekte, die in Kenia jemals umgesetzt wurden. Unter chinesischer Leitung entsteht ein Hafen für Containerschiffe und Öltanker. Das Projekt ist in der Bevölkerung jedoch umstritten. Die Schülerinnen und Schüler vollziehen die unterschiedlichen Positionen lokaler Akteure in einem Rollenspiel nach und bewerten die ökologischen, ökonomischen und sozialen Auswirkungen des Projektes.

Sachanalyse
Die Hafenentwicklung im kenianischen Lamu verbindet zwei aktuelle Themen der Entwicklungsgeographie: die wachsende Bedeutung chinesisch-afrikanischer Entwicklungszusammenarbeit und die Raumentwicklung durch Infrastrukturmaßnahmen.
Chinesisch-afrikanische Entwicklungszusammenarbeit
Chinas verstärktes Engagement in afrikanischen Staaten sichert der Weltmacht neue Absatzmärkte, Zugriff auf wichtige Ressourcen und eine Stärkung der geopolitischen Macht. Mit der „Neuen Seidenstraße verknüpft China in Ankerländern wie Kenia emerging markets und gewinnt neue internationale Partner (vgl. Lohnert 2017).
Vorteilhaft für afrikanische Regierungen ist, dass mit Planung, Finanzierung und Durchführung des Projekts sämtliche Entwicklungsschritte aus einer Hand angeboten und kaum Konditionen bezüglich Rechtsstaatlichkeit oder strenger Umweltauflagen gestellt werden (vgl. ebd.). Nachteile werden jedoch auch deutlich: Zwar fehlen postkoloniale Machtverhältnisse wie mit vielen europäischen Partnern, es droht jedoch neokoloniale Abhängigkeit von China.
Einerseits wird das Agieren chinesischer Firmen von einigen afrikanischen Akteuren als neokoloniales Landgrabbing empfunden im Auftrag der chinesischen Regierung bauen sie beispielsweise Autobahnen, finanziert durch chinesische Kredite, während China im Gegenzug Zugriff auf die Rohstoffe des afrikanischen Partnerlandes erhält: Seltene Erden, Holz, Mineralien (vgl. Pilling 2017). Die Abhängigkeit von chinesischen Krediten erhöht zudem die Schuldenlast der afrikanischen Staaten. Andererseits wuchs das Handelsvolumen zwischen Afrika und China von 10 Mrd. US$ im Jahr 2000 auf über 220 Mrd. US$ im Jahr 2014 (vgl. ebd.). Zudem verringert das Engagement Chinas die Abhängigkeit der afrikanischen Entwicklungsländer von den klassischen Partnern im globalen Norden, die seltener in Großprojekte investieren, die viele Staaten aber dringend benötigen.
Es ist allerdings zu bedenken, dass China seine Entwicklungshilfe explizit als Investition und Machtausbau versteht. Dazu gehört, bevorzugt chinesische Arbeitskräfte einzusetzen und im Gegenzug für den Bau von Häfen oder Eisenbahnstrecken den Import chinesischer Waren und privilegierten Zugang für seine Firmen zu verlangen (vgl. Pilling 2017).
Umstrittene Infrastrukturmaßnahmen in Kenia
Ein strategischer Partner Chinas in Ostafrika ist Kenia, das als regionale Wirtschaftsmacht des globalen Südens vergleichsweise stark in die Weltökonomie eingebunden ist und als regionaler Schlüsselstaat gilt (vgl. Weltbank 2018). Um die bereits gut ausgebauten Agrar- und Tourismussektoren sowie neue Exportökonomien zu stärken, setzt Kenia mit dem Programm Kenya Vision 2030 u.a. auf einen umfassenden Verkehrsinfrastrukturausbau. Das LAPSSET-Projekt (LAPSSET = Lamu Port South Sudan Ethiopia Transport Corridor) beispielsweise soll neue Ölfördergebiete erschließen und Transportwege schaffen, die Südsudan, Äthiopien und Kenia im globalen Handelsnetz verankern (vgl. Lapsset 2017, KPA 2016). Dazu wird in der Küstenstadt Lamu unter chinesischer Leitung ein lokal stark umstrittener Tiefseehafen gebaut. Der Schaffung von Arbeitsplätzen im ganzen Land und der Modernisierung der Wirtschaft stehen u.a. Umsiedlungen und Umweltzerstörung gegenüber (vgl. Maas-Albert 2016).
In Lamu hat sich in der Lokalbevölkerung eine aktive Bürgerinitiative gegen das Projekt entwickelt. Berichte...

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