9. – 10. Schuljahr

Moritz Morstein · Wolfgang Gerber

Wasserkraft versus Erdöl

Norwegens Energiepolitik bewerten

Norwegen besitzt zahlreiche Erdöllagerstätten. Mit dem Erdölfund eröffneten sich für das Land neue wirtschaftliche Möglichkeiten. Es zählt heute zu den größten Erdöl exportierenden Staaten der Erde. Trotzdem gewinnt Norwegen seine Energie zu fast 100 Prozent nicht aus fossilen Brennstoffen, sondern aus der Wasserkraft. Die Schülerinnen und Schüler bewerten die Energiepolitik Norwegens unter ökonomischen und ökologischen Aspekten.

Sachanalyse
Norwegen hat eine Fläche von 323758 Quadratkilometern und ist damit etwa so groß wie Deutschland. In Norwegen leben jedoch nur 5,3 Millionen Menschen (16,3 Einwohner/km2). Im Vergleich zu Deutschland mit seinen 83 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern (231 Einwohner/km2) ist das skandinavische Land sehr gering besiedelt.
Norwegen zählt zu den reichsten Ländern der Erde und belegt vordere Plätze im HDI-Ranking. Der Reichtum des Landes begründet sich vor allem auf die ergiebigen Erdölvorkommen.
Norwegens Erdölproduktion
Das Jahr 1969 war das „Goldene Jahr der Norweger, denn fast über Nacht kam der Wohlstand mit der Entdeckung der Erdölquellen. Der dadurch entstandene Wohlstand im Land ist noch heute in allen Orten Norwegens spürbar. Die Erdölfelder Ekofisk und Statfjord in der Nordsee sind dabei die ertragreichsten Felder Norwegens. Sie liefern jährlich gigantische Mengen an Öl. Im Ekofisk werden drei Millionen Barrel Öl täglich gefördert. Doch im Gegensatz zu den konkurrierenden exportierenden Staaten, wie Russland oder Saudi-Arabien, behält Norwegen den geringeren Teil von seinen fossilen Brennstoffen im eigenen Land. Im Jahr 2016 wurden von den 90,4 Millionen Tonnen Erdöl über 69 Millionen Tonnen exportiert.
Das Land betreibt eine sehr nachhaltige Ölpolitik. Die Entwicklung der Fördermengen in den letzten Jahren lässt die durchdachte Ölpolitik klar erkennen. Im Jahr 1970 waren die Fördermengen noch nicht mal im Millionenbereich, zehn Jahre später lagen sie schon bei 25 Millionen Tonnen. Ein Höhepunkt wurde um das Jahr 2000 erreicht: 169 Millionen Tonnen Öl wurden gefördert. Da aber erkannt wurde, dass die Ausbeutung der Ölreserven nicht nachhaltig ist, wurde die Produktionsmenge in Norwegen wieder deutlich gesenkt. Dies lässt sich an den Fördermengen folgender Jahre erkennen: 98,6 Millionen Tonnen im Jahr 2010 und 88 Millionen Tonnen im Jahr 2015.
Trotz der reichen Erdölvorkommen ist der Hauptenergieträger des Landes nicht das Erdöl. Die Energiepolitik basiert fast vollständig auf der Nutzung der Wasserkraft des Landes.
Wasserkraft in Norwegen
2017 wurden 149,5 Terawattstunden Energie in Norwegen umgewandelt. Die Energieerzeugung aus fossilen Energiequellen lag bei 3,2 Terawattstunden. Der Anteil aus erneuerbaren Energieträgern belief sich somit auf 146,3 Terawattstunden, wovon 144 Terawattstunden aus Wasserkraft, 2,1 Terawattstunden aus Windkraft sowie 0,2 Terawattstunden thermische Energie aus Biokraftstoffen erzeugt wurden.
Somit stammen von den 149,5 Terawattstunden Energie, die im Jahr 2017 produziert wurden, rund 96  % aus Wasserkraft. Besonders großen Anteil haben die in der Abbildung genannten Wasserkraftwerke. Ihre Standorte befinden sich in erster Linie an natürlichen Wasserquellen, an Flüssen oder Fjorden, aber auch zum Teil an künstlich angelegten Stauseen.
Eine Besonderheit in Norwegen ist, dass kein Wasser in höher gelegene Speicherseen gepumpt werden muss, da die Skanden in Norwegen ein sehr stark ausgeprägtes Relief aufweisen. Ein Beispiel für einen künstlich angelegten Stausee ist der Blåsjø-Stausee. Mit einer Fläche von 84,48 Quadratkilometern ist er der neuntgrößte See in Norwegen. Der Blåsjø-Stausee hat ein Energiepotenzial von rund 7,8 Terrawattstunden pro Jahr. Der Stausee besitzt somit als solcher das größte Energiereservoir Norwegens. Mit seinen Wassermassen fungiert der Blåsjø-Stausee als Reservoir für das Wasserkraftwerk...

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