5. – 13. Schuljahr

Sören-Kristian Berger

Forschendes Lernen in Zeiten der Schulschließung wegen Corona

Beispiele für Apps, Webanwendungen und den Einsatz digitaler Medien zur Förderung eines lernerzentrierten (Online-)Geographieunterrichts

Innerhalb weniger Tage mussten die Schulen in Deutschland zwangsweise ihren Unterricht verändern. Digitales Lernen, Homeschooling oder auch die längst überfällige „Digitalisierung des Lernens sind einige der verwendeten Begriffe zur Beschreibung der neuen Lernsituation. Die Erfahrungen der ersten Wochen sind jedoch unterschiedlich. Die technische Infrastruktur der jeweiligen Schulen, das Vorwissen der Schülerinnen und Schüler im Umgang mit digitalen Medien, die Erfahrungen der Lehrkräfte, aber auch die technische Ausstattung zu Hause sind äußerst heterogen und erfordern ein Umdenken.
In einer ersten Schockstarre wurden vielerorts sicherlich Arbeitsblätter (digital) verschickt, Unterrichtsreihen mit dem Schulbuch weitergeführt oder sonstige Arbeitsaufträge verteilt. Dies ist vor dem Hintergrund der technischen wie auch emotionalen Herausforderungen der aktuellen Krise nachvollziehbar.
Doch die Weiterführung bisher etablierter Arbeitsabläufe und Handlungsmuster aus dem Präsenzunterricht sind nicht einfach auf die häusliche Lernsituation zu übertragen. Dies wird durch zahlreiche Beschlüsse und Erlasse der einzelnen Bundesländer noch verstärkt, aus denen hervorgeht, dass die aktuelle Phase des Online-Unterrichts nicht in die Bewertung mit einfließen solle. Hierbei sind natürlich die Aussagen der jeweiligen Ministerien des eigenen Bundeslandes zu berücksichtigen.
Die aktuelle Phase bietet also aus unterschiedlichen Gründen eine Chance, das eigene Lernverständnis zu hinterfragen und Neues zu wagen.
Lisa Rosa (2017) ist in der Unterrichtsentwicklung im Referat Gesellschaft des Landesinstituts für Lehrerbildung und Schulentwicklung Hamburg tätig und beschäftigt sich dort seit Langem mit dem Einsatz digitaler Medien und Bildung, Lerntheorie und Projektdidaktik. Sie spricht von einem veränderten epochalen Lernverständnis vom Buchdruckzeitalter (lehrerzentriert, belehrend, systematisch, objektivistisch, dekontextualisiert, allein, festliegendes Ergebnis, vorgegebene Bedeutung) hin zum digitalen Zeitalter (lernerzentriert, erforschend, problemorientiert, perspektivisch, re-kontextualisiert, im Austausch, ergebnisoffen, persönlicher Sinn). Auch wenn dieser Paradigmenwechsel durch die aktuelle Krisensituation sicherlich an vielen Stellen erzwungen ist, hat er doch einen entscheidenden Einfluss auf die Lehrerrolle, das Lehrerhandeln und das allgemeine Lernverständnis.
Da durch das aktuelle Setting die oft kritisierte Lehrerzentriertheit und die belehrende, systematische „Unterrichtung von Schülerinnen und Schülern schlichtweg nicht mehr möglich ist, bietet sich eine ideale Gelegenheit, um das forschende, problemorientierte Lernen zu fördern und die Lerner und ihre Interessen in den Mittelpunkt zu stellen.
Vor dem Hintergrund des Lernverständnisses im (aktuellen) digitalen Zeitalter bietet sich eine projektartige Vorgehensweise an. Schülerinnen und Schüler sollten dazu befähigt werden, eigenen Interessen nachzugehen, kollaborativ im Austausch mit ihren Mitschülerinnen und Mitschülern problemorientiert an einem selbst gewählten Thema zu arbeiten. Dabei kann es sehr interessant sein, die Ergebnisoffenheit und damit Kreativität der Lernenden an dieser Stelle bewusst zu fördern und vielfältige digitale Lernprodukte zu ermöglichen.
Nachfolgend sollen einige potenzielle digitale Angebote, Informationsquellen, Tools, Präsentationsmöglichkeiten und mögliche Einsatzgebiete vorgestellt werden.
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Citizen Science Projekte sind wissenschaftliche Vorhaben, an denen interessierte Laien in diesem Fall Schülerinnen und Schüler mitarbeiten können, indem sie Beobachtungen und Daten melden. Dies kann auch einen Bezug...

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