5. – 8. Schuljahr

Dorothee Belling

Auf Schatzsuche in der Stadt

Potenziale von Geocaching für Regionales Lernen

Geocaching bietet großes Potenzial für den Geographieunterricht und insbesondere für das Regionale Lernen. Durch die digitale Schnitzeljagd erarbeiten die Schülerinnen und Schüler lehrplanrelevante Inhalte in ihrem eigenen Lebens- und Erfahrungsraum, der Region. In diesem Unterrichtsvorschlag orientieren sich die Lernenden in ihrer Heimatstadt und erkunden zentrale Gebäude und Plätze sowie ihren historischen Hintergrund.

Sachanalyse
🔎 Outdoor-Aktivitäten spielen im schulischen Alltag eine untergeordnete Rolle, da die schulinternen Curricula straff geplant sind.Die wenigen Projektwochen bieten nur selten die Gelegenheit, außerhalb des Klassenraumes zu lernen. Wenngleich Geocaching oft nur als triviale Freizeitbeschäftigung angesehen wird, birgt die digitale Schnitzeljagd ein großes Potenzial für die Schule.
Was ist ein Geocache?
Die Anfänge des Geocaching sind auf das Jahr 2000 in den USA datiert, als das Global Positioning System (GPS) auch für Zivilisten nutzbar wurde. Die Verstecke („Geocaches kurz „Caches) werden anhand geographischer Koordinaten mit einem GPS-Empfänger gesucht. Schon nach kurzer Zeit gab es auf allen Erdteilen Geocaches und ein neues Hobby war geboren.
Ein Geocache ist in der Regel ein Behälter, in dem sich ein Logbuch sowie verschiedene kleine Tauschgegenstände befinden können. Der Besucher kann sich in das Logbuch eintragen, um seine erfolgreiche Suche zu dokumentieren. Anschließend wird der Geocache wieder an der Stelle versteckt, an der er zuvor gefunden wurde. So können auch andere Personen (insbesondere der Verstecker oder „Owner genannt) die Geschehnisse rund um den Geocache verfolgen. Wesentlich beim gesamten Such- und Tauschvorgang ist, dass von anderen anwesenden Personen das Vorhaben nicht als solches erkannt wird und der Geocache Uneingeweihten (Muggel) verborgen bleibt (vgl. Fischer 2011).
Cachebehälter
Der Cachebehälter selbst sollte wasserdicht sein, damit der Inhalt vor Witterungs- und anderen Einflüssen geschützt ist. Er kann unterschiedliche Formen haben, von einer kleinen Filmdose über eine einfache Frischhaltedose aus Plastik bis hin zur Munitionskiste aus Stahl. Oft wird die Größe des Behälters durch den Ort des Verstecks bestimmt. Für die Cachebehälter haben sich folgende Größeneinteilungen etabliert:
  • Nano: Winziger Behälter (Durchmesser meist unter 1  cm) der nur einen kleinen Zettel als Logbuch enthält. Er ist oft magnetisch, damit er an Denkmälern o.Ä. unauffällig versteckt werden kann.
  • Micro oder Mini: Sehr kleine Cachebehälter, die nur Zettel und Stift enthalten. Oft werden Filmdosen oder PET-Rohlinge verwendet.
  • Small: Kleine Behälter, die außer für ein Logbuch auch noch Platz für kleinere Gegenstände bieten.
  • Regular bzw. Medium: Cache mittlerer Größe, der Platz für mehrere Tauschgegenstände bietet. Die Behälter können einen oder mehrere Liter Inhalt fassen.
  • Large: Große Behälter, die ein Maximum an Platz bieten und außergewöhnliche Tauschobjekte fassen können.
Didaktische Analyse
Der Schwerpunkt des Themas liegt im Kompetenzbereich „Räumliche Orientierung. Fokussiert wird die Kompetenz zur Orientierung in Realräumen, da die Schülerinnen und Schüler sich mit Orientierungshilfen im Raum zurechtfinden sollen. Darüber hinaus wird auch der Kompetenzbereich „Beurteilung und Bewertung adressiert, da die Erkundung der Heimatstadt anschließend reflektiert und bewertet werden soll im Hinblick auf einen Schulausflug für auswärtige Schulklassen.
Räumliche Orientierung
Räumliche Orientierung ist eine grundlegende Kulturtechnik, die im Kanon der Schulfächer primär der Geographie zugeordnet wird. Der Kompetenzbereich räumliche Orientierung ist zudem ein Alleinstellungsmerkmal des Faches Geographie im Aktionsraum Schule.
Dabei beschränkt sich die Orientierungskompetenz nicht auf ein grundlegendes topographisches Orientierungswissen wie zum Beispiel die Kenntnis der Namen und der geographischen Lage von Städten, Gebirgen und Flüssen. Sie umfasst auch die Kenntnis und Nutzung verschiedener Orientierungsraster und Ordnungssysteme. Außerdem beinhaltet sie eine große Anzahl an alltagsrelevanten topographischen Fähigkeiten, wie Karten lesen, Karten selbst erstellen oder sich mithilfe von Karten, Kompass und Co. in der Stadt und im Gelände orientieren zu können.
Aber auch die Raumwahrnehmung spielt eine wichtige Rolle in Bezug auf die räumliche Orientierungskompetenz. Grundsätzlich wird die räumliche Orientierungsfähigkeit als Einstiegsqualifikation bezeichnet, die erst durch die Kombination mit anderen zu einer umfassenden geographischen Bildung beiträgt (vgl. Hemmer/Hemmer 2009, S. 6).
Räumliche Orientierung in der Schule
Befragungen zur räumlichen Orientierung, die an Experten und Vertreter der Gesellschaft gerichtet wurden, zeigen, dass der räumlichen Orientierungskompetenz im gesellschaftlichen Kontext ein hoher Stellenwert beigemessen wird. Als besonders wichtig wurden die Orientierung im Realraum sowie topographisches Orientierungswissen eingestuft (vgl. Reuschenbach/Adamina 2014; Hemmer/Hemmer 2009).
Ein Blick in den Schulalltag offenbart jedoch, dass die Aneignung der facettenreichen Kompetenzen im Bereich „Räumliche Orientierung vielen Lernenden schwerfällt. Zudem erfreut sich dieses Thema keiner großen Beliebtheit im Unterricht. Hintergrund hierfür ist, dass jugendliche Lerner nur über sehr subjektive Vorstellungen von Räumen verfügen, die sehr gering entwickelt sind. Daher ist es unabdingbar, die subjektiven Raumerfahrungen der Schülerinnen und Schüler zu fördern, beispielsweise durch die Orientierung im Realraum.
Die Erkundung der Heimatstadt bietet hierfür einen idealen lehrplanbezogenen Ansatzpunkt, da zusätzlich zur Orientierung im Nahraum auch das Bewusstsein für die Bedeutung der Heimatstadt angebahnt wird. Eine intensive Auseinandersetzung mit der eigenen Stadt kann zum Beispiel dadurch erfolgen, dass die Schülerinnen und Schüler Freizeitmöglichkeiten und zentrale Plätze bzw. Gebäude (z.B. Marktplatz, Rathaus) unter die Lupe nehmen.
Durch die originale Begegnung und die handlungsorientierte Vorgehensweise wird eine hohe Realitäts- und Praxisnähe des Lernprozesses erzeugt, die typisch ist für das Konzept des Regionalen Lernens. Weiterhin wird die Selbsttätigkeit und Selbstständigkeit des Lernprozesses gefördert.
Einsatz von Geocaching
Auch wenn allein die Bewegung an der frischen Luft und in der Natur ein fördernswertes Ziel für die Schülerinnen und Schüler ist, gibt es weitere Gründe für einen Einsatz von Geocaching in der Schule: Mit Schülerinnen und Schülern Caches zu suchen oder zu verstecken, verbindet die durch das Spiel entstehende Motivation und Begeisterung mit unterrichtlichen Inhalten und Intentionen.
In einer von Kreativität und Erfolgserlebnissen geprägten Atmosphäre werden Bildungsinhalte vermittelt, transferiert oder angewendet. Beinahe nebenbei werden wichtige Fähigkeiten und Fertigkeiten erworben und gefördert. Die Schatzsuche bietet so eine ideale Gelegenheit für die Verbindung von Regionalem Lernen, den Erwerb von Kompetenzen im Bereich „Räumliche Orientierung und Geocaching.
Durch die Auswahl typischer Plätze und Gebäude einer Stadt wird die Übertragbarkeit auf andere Städte bzw. Stadtviertel gewährleistet. Dieser Beitrag nutzt als Beispiel die Stadt Osnabrück in Niedersachsen (s. Kasten „Koordinaten der Standpunkte in Osnabrück).
Koordinaten für die Standpunkte des Beispiels Osnabrück
Koordinaten für die Standpunkte des Beispiels Osnabrück
Kirche: N 52° 16.407 E 008° 02.415
Rathaus: N 52° 16.394 E 008° 02.282
Park: N 52° 17.114 E 008° 02.522
Freizeitmöglichkeiten: N 52° 16.389 E 008° 03.276
Markt: N 52° 16.401 E 008° 02.320
Kompetenzen
Die Schülerinnen und Schüler
Fachwissen
  • erklären die Funktionsweise von GPS-Geräten,
  • beschreiben ihre Heimatstadt.
Räumliche Orientierung
  • bestimmen ihren Standort im Realraum mithilfe von GPS-Geräten,
  • beschreiben ihre zurückgelegte Wegstrecke mithilfe eines Stadtplans,
  • lokalisieren zentrale Gebäude/Plätze ihrer Heimatstadt.
Erkenntnisgewinnung/Methoden
  • führen Erkundungen im Nahraum durch.
Kommunikation
  • stellen ihre Ergebnisse vor.
Beurteilung/Bewertung
  • beurteilen das Potenzial ihrer Heimatstadt für Schulausflüge.
Methodische Analyse
Für den Einstieg kann eine kleine Geschichte genutzt werden: Ein 11-jähriger Schüler bekommt Besuch von seinem Cousin. Gemeinsam wollen sie die Stadt erkunden und überlegen, welche Punkte sie auf der Besichtigungstour ansteuern sollen. Im Plenum werden nun Vorschläge für die eigene Heimatstadt gesammelt. Denkbar wäre auch, in der Klasse einen Stadtplan zu visualisieren und zentrale Gebäude und Einrichtungen von den Lernenden lokalisieren zu lassen.
Ablauf der Schnitzeljagd
Bevor die digitale Schnitzeljagd in der Stadt beginnt, erarbeiten die Schülerinnen und Schüler zunächst in Einzelarbeit die Grundlagen des Geocachings und machen sich mit den GPS-Geräten vertraut (Arbeitsblatt 1 🔎). Alternativ kann anstatt des GPS-Geräts auch das Smartphone zum Geocaching genutzt werden, da es zahlreiche Apps zum Geocachen gibt. Aber auch Apps wie Actionbound eignen sich für die Durchführung des Vorhabens, da sie spezialisiert sind auf digitale Schnitzeljagd.
Checkliste
Checkliste
Vor der Erkundung:
  • Eltern informieren, Schulleitung informieren (Elternbrief)
  • Ausrüstung (GPS-Geräte, Ersatzbatterien)
  • Geocaches verstecken
  • Arbeitsblätter kopieren, Cachebehälter befüllen
  • Verhaltensregeln besprechen
  • Kurzinformation zu GPS-Geräten/ Einweisung Smartphone
  • Kleingruppen aufteilen und Rollenkarten ausgeben
  • Treffpunkt vereinbaren
  • Handynummern notieren
  • Zettel mit Koordinaten verteilen
Nach der Erkundung:
  • Geocaches einsammeln
  • Verbrauchsmaterialien auffüllen
  • Ausrüstung auf Vollständigkeit prüfen
  • Reflexion der Erkundung
In Kleingruppen von 3 – 4 Personen steuern die Schülerinnen und Schüler mit mindestens einem GPS-Gerät pro Gruppe nach und nach die einzelnen Koordinaten an. Dabei erhält jede Gruppe die Koordinaten der einzelnen Caches in einer anderen Reihenfolge, damit die einzelnen Gruppen nicht unmittelbar aufeinander treffen.
In den Cachebehältern sind Arbeitsblätter hinterlegt, die die Schülerinnen und Schüler bearbeiten (z.B. Arbeitsblätter 2A – 2E 🔎). Die Lehrkraft kann dafür zusätzliche Cachebehälter an bereits vorhandenen, öffentlichen Geocaches deponieren oder eigene Caches legen, wofür im Vorfeld die Koordinaten ermittelt werden müssen. Weitere Informationen (z.B. zu historischen Gebäuden) oder Aufgaben können per QR-Code in den Cachebehältern hinterlegt werden, die die Lernenden dann mit ihren Smartphones abrufen können.
Für die gemeinsame Arbeit in den Kleingruppen ist es von Bedeutung, dass die Lernenden die einzelnen Positionen (s. Rollenkarten 🔎 ) regelmäßig tauschen, sodass jeder zwischenzeitlich die Verantwortung für die Koordination oder die Dokumentation übernimmt und somit innerhalb der Gruppen kooperativ gearbeitet wird.
Um die Schatzsuche zu beenden, steuern alle eine gemeinsame Koordinate an, um dort ihren „Schatz zu heben. Hinweise zum Versteck des Schatzes könnten durch kleine Rätsel oder Aufgaben an den vorherigen Cache-Standorten gegeben werden.
Abschluss der Schnitzeljagd
Nach Abschluss der digitalen Schnitzeljagd ist es von besonderer Bedeutung, die Erkundung gemeinsam im Plenum zu reflektieren. Die einzelnen Kleingruppen präsentieren hierfür ihre Ergebnisse in der Klasse. Aber auch mögliche Probleme, wie das Beschreiben der zurückgelegten Wegstrecke oder das Lokalisieren der eigenen Position, sind anzusprechen.
Abgerundet wird die Reflexion durch das Beurteilen der eigenen Heimatstadt für Schulausflüge und auch im Hinblick auf die zu Beginn erzählte Geschichte
Literatur und Internetquellen
Fischer, U. (2011): Die Jagd nach dem Schnitzel in der Dose. Moderne Schatzsuche mit Geocaching. Norderstedt: Books on demand GmbH
Hemmer, I. und M. Hemmer (2009): Räumliche Orientierungskompetenz. In: Praxis Geographie, H. 11, S. 4 – 9
Reuschenbach, M. und M. Adamina (2014): Geografisches Weltwissen am Ende der Volksschulzeit. PH Zürich
Durch eine digitale Schnitzeljagd erkunden die Schülerinnen und Schüler zum Beispiel ihre Heimatstadt
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