Wassermangel durch Avocadoanbau?1.000 Liter für drei Früchte

Knapp 70.000 Tonnen Avocados wurden im Jahr 2017 nach Deutschland eingeführt, rund 50.000 Tonnen mehr als im Jahr 2009. Die Zahlen zeigen: Die Avocado liegt im Trend. Warum sollten wir sie aber lieber nicht essen?

Avocadofrucht hängt an einem Avocadobaum

Die Avocadofrucht reift nach dem Pflücken nach. Foto: Alice_Alphabet/Pixabay CC0 Creative Commons

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Die Avocado steht bei vielen regelmäßig auf dem Speiseplan. Gegessen wird sie zum Beispiel roh mit Pfeffer und Salz auf Brot, verarbeitet zu Guacamole oder überbacken mit Ei. Das hellgrüne bis goldgelbe Fruchtfleisch sieht aber auch im Salat gut aus. Zudem ersetzt die Avocado mit 15 g Fett pro 100 g Butter als Zutat in der veganen Küche. Avocados haben einen hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren, enthalten Vitamine und Mineralstoffe und gelten daher als gesund. Auch in immer mehr Kosmetikprodukten ist Avocadoöl enthalten – die Frucht ist vielseitig einsetzbar.

Weltweit gibt es heute über 400 Kultursorten, die bei uns gängigsten Sorten sind Fuerte und Hass. Die einzelnen Sorten unterscheiden sich anhand ihrer Schale und der Form. Avocados sind birnenförmig bis rund, die Farbe reicht von grün bis schwarz.

Anbaugebiete der Avocado

Die Avocado ist eine Pflanzenart aus der Familie der Lorbeergewächse. Sie ist eine Frucht, wächst am Avocado-Baum. Ihren Ursprung hat die Avocado im feuchtwarmen tropischen Regenwald Mexikos und Zentralamerikas. In Zentralamerika wird die Frucht seit über 10.000 Jahren kultiviert. Die Spanier brachten die Avocado in die Karibik und nach Chile. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde sie auch in Afrika, Malaysia und auf den Philippinen angebaut. Im Mittelmeerraum ist die Avocado erst seit Anfang des 20. Jahrhunderts verbreitet.

Heute wird die Avocado weltweit in den Tropen angebaut sowie in Südafrika, Israel, Kalifornien, Chile, Peru, Australien, Neuseeland sowie im Mittelmeerraum, vor allem in Spanien. 5,6 Millionen Tonnen Avocados wurden im Jahr 2016 weltweit geerntet (vgl. FAOstat 2018). Die Tabelle zeigt die zehn Haupterzeugerländer für Avocados weltweit, die zusammen 78,4 % der Welternte produzierten (vgl. FAOstat 2018).

Land

Produktion 2016 (in t)

Mexiko

1.889.354

Dominikanische Republik

601.349

Peru

455.394

Kolumbien

309.431

Indonesien

304.938

Brasilien

195.492

Kenia

176.045

USA

172.630

Chile

137.365

China

122.942

 

Wasser, Wasser und noch mehr Wasser

Avocados bevorzugen nährstoffreichen Boden, sie brauchen viel Licht – bis zu 2.000 Sonnenstunden im Jahr. Und die Avocado braucht Wasser, viel Wasser. Für ein Kilogramm Avocados, das sind etwa 2–3 Stück, werden bis zu 1.000 Liter Wasser benötigt. Zum Vergleich: Für ein Kilogramm Tomaten werden im Durchschnitt 180 Liter Wasser verbraucht, für ein Kilogramm Kartoffeln 135 Liter.

Da Avocados überwiegend in Regionen angebaut werden, in denen nicht ausreichend Niederschlag fällt, müssen die Avocado-Bäume bewässert werden. Aufgrund der steigenden Nachfrage nach Avocados in Europa und auch in China, werden die Anbauflächen stetig erweitert, es entstehen Avocadomonokulturen, die einen sehr hohen Wasserverbrauch haben. Dies kann für massive Umweltprobleme sorgen, beispielsweise in der Provinz Petorca.

Wassermangel durch den Avocadoanbau

Die Provinz Petorca liegt rund 200 km nördlich von Santiago, der Hauptstadt Chiles. Rund 78.000 Einwohner leben hier (vgl. City Population). Sie ist das Zentrum des Avocado-Anbaus in Chile. Mehr als die Hälfte der chilenischen Produktion stammt hierher. Die Produktion ist fest in den Händen großer Agrarunternehmen, die die Wasserrechte erworben haben. In Chile ist die Wasserversorgung privatisiert.

Für die Produktion einer Avocado werden in Petorca etwa 320 Liter Wasser benötigt. Aufgrund des Anbaus von Avocados sind die Flüsse und Kanäle ausgetrocknet, die Region leidet unter Wasserknappheit. Wassertankwagen versorgen die Bevölkerung mit Trinkwasser. Aber wegen der steigenden Nachfrage werden weiter neue Anbauflächen erschlossen. Die Bewegung MODATIMA (Bewegung zur Verteidigung des Wassers, des Landes und für den Umweltschutz) kämpft dafür, dass das Wasser wieder ein öffentliches Gut wird, aber die wirtschaftlichen Interessen stehen dagegen.

Aufgegriffen und anschaulich dargestellt wird die Thematik in der Weltspiegel-Reportage "Avocado – Umweltkiller Superfood“. Die Reportage, die in der ARD-Mediathek abgerufen werden kann, stellt am Beispiel der Region Petorca die Auswirkungen des Avocadoanbaus dar. Der Beitrag thematisiert auch den hohen Energieaufwand beim Transport und der Reife in speziellen Kammern, wodurch sich die Ökobilanz zusätzlich verschlechtert.

Zur Weltspiegel-Reportage "Avocado – Umweltkiller Superfood(verfügbar bis 10.03.2019)

Weitere Informationen

Informationen zur Avocado bei Wikipedia

Informationen zu den Umweltauswirkungen des Avocadoanbaus bei Deutschlandfunk Kultur

Zahlen & Daten zur Avocado bei der FAO

Weitere Beiträge zum virtuellen Wasserverbrauch

Zur Ausgabe "Ich sehe Was(ser), was du nicht siehst" 

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