Ökosystem Nordostatlantik in Gefahr?Schutzgebiete sichern marine Lebensvielfalt

Das Weltmeer ist kein unberührter Naturraum. Es dient uns Menschen mehr und mehr als Wirtschaftsraum – mit Folgen für das empfindliche Ökosystem. Können Schutzgebiete den Lebensraum und somit die Artenvielfalt erhalten?

Karte der Meeresschutzgebiete im Nordostatlantik (Foto: © BfN)

Übersicht über die Meeresschutzgebiete im Nordostatlantik aus dem Film "Schutzgebiete sichern marine Lebensvielfalt" des Bundesamtes für Naturschutz Foto: © Bundesamt für Naturschutz (BfN)

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Essbarer Seeigel, Seenelken, Seescheiden am Sylter Außenriff (Foto: © BfN/Krause & Hübner)

Essbarer Seeigel, Seenelken, Seescheiden am Sylter Außenriff in der Deutschen Bucht Foto: © BfN/Krause & Hübner

Wir nutzen das Weltmeer als Rohstoffquelle, als Verkehrs- und Handelsweg, es ist Grundlage für die Fischereiwirtschaft und bietet Potenzial für den Tourismus sowie für die Energiegewinnung, beispielsweise über Offshore-Windkraftanlagen. Doch die menschlichen Aktivitäten auf dem Meer hinterlassen Spuren und haben Auswirkungen auf das marine Ökosystem. Wartungsarbeiten, Lärm und mechanische Zerstörungen am Meeresboden beim Bau von Anlagen, Risiken und Gefahren durch Havarien sowie der Eintrag von Müll, insbesondere Plastik, können negative Folgen für das empfindliche Ökosystem haben. Dies gilt auch für die Fischerei, ob durch übermäßige Ausbeutung der kommerziell genutzten Arten, unbeabsichtigten Beifang von Meeressäugetieren und Seevögeln oder durch bodenschädigende Methoden wie die Grundschleppnetzfischerei. 

Die eindrucksvollen und ökologisch bedeutsamen Lebensräume zu schützen, ist eine große Aufgabe. Eine Möglichkeit ist, Schutzgebiete einzurichten. Ende 2017 waren weltweit knapp 7 % der Ozeane entsprechend den Kriterien der Konvention zum Schutz der biologischen Vielfalt geschützt. Ziel ist es, bis 2020 10 % der Weltmeere unter Schutz zu stellen. Wie wichtig diese Schutzgebiete sind und wie sie dazu beitragen können, die Populationen mariner Lebewesen zu erhalten und zu steigern, zeigt der Film „Schutzgebiete sichern marine Lebensvielfalt“ des Bundesamtes für Naturschutz (BfN). Von den Miesmuschelbänken der Ostsee-Rinnen über die Kaltwasserkorallen am mittelatlantischen Rücken und die seltsamsten Lebewesen an den „Schwarzen Rauchern“ der Tiefsee, von den kleinsten Garnelen der Arktis bis zu den Pottwalen rund um die Azoren wird die einzigartige biologische Vielfalt der Meere anhand eindrucksvoller Aufnahmen deutlich.

Artenvielfalt im Nordostatlantik sichern

Thematisiert werden auf einer Reise durch den Nordostatlantik und Teile der Ostsee die Vielfalt der Lebewesen in diesen Gewässern und die Gefahren, denen sie ausgesetzt sind, sowie die Schwierigkeiten bzw. Herausforderungen, die sich bei der Einrichtung von Schutzzonen in internationalen Gewässern stellen. In nationalen Gewässern bis zur 200 Seemeilen-Grenze, in der sogenannten Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ), sind die jeweiligen Staaten allein für die Einrichtung von Schutzgebieten zuständig, zum Beispiel im Rahmen des europäischen Schutzgebietsnetzwerk Natura 2000. In der deutschen Bucht beispielsweise sind weite Bereiche der Küstengewässer als Nationalparke streng geschützt, für die die Bundesländer zuständig sind; darüber hinaus gibt es seit 2017 nationale Naturschutzgebiete in der deutschen AWZ. In Gewässern jenseits nationaler Rechtszuständigkeit dagegen, hängt es von einer guten internationalen Kooperation ab, ob Gebiete auf Hoher See unter Schutz gestellt werden. Im Nordostatlantik sind die Anrainerländer über das Oslo-Paris-Übereinkommen zum Schutz der Meeresumwelt (OSPAR) gemeinsam für die Meeresschutzgebiete verantwortlich.

Für das gesamte OSPAR-Gebiet besteht das Ziel, ein repräsentatives und gut gemanagtes Schutzgebietsnetzwerk aufzubauen. Wegweisend ist hier das Charlie-Gibbs-Schutzgebiet in einer Bruchzone auf dem Mittelatlantischen Rücken. Unterstützt vom BfN und ursprünglich initiiert vom WWF identifizierten Wissenschaftler hier besonders wertvolle Gebiete. Folgerichtig einigten sich die OSPAR-Staaten, eine Fläche von 324.000 Quadratkilometern mit faszinierenden Lebensgemeinschaften unter Schutz zu stellen.

Arktische Gewässer als Lebensräume erhalten

Bislang sind etwa 6,3 % des Nordostatlantiks geschützt. Aber noch immer bestehen Lücken, zum Beispiel in arktischen Gewässern. Obgleich es küstennahe Schutzgebiete gibt, fehlt ein umfangreicher Schutz für Areale auf Hoher See. Aber gerade hier finden sich schützenswerte Arten, die sich an die Lebensbedingungen in diesen eisigen Gewässern angepasst haben, und ökologisch herausragende Lebensräume, die sehr sensibel sind. Denn auch diese abgelegenen Gebiete sind menschlichen Belastungen ausgesetzt. Diese Belastungen und die Auswirkungen auf die Tierwelt werden auf der weiteren Reise durch den Nordostatlantik im Film thematisiert, und es wird zum Abschluss deutlich: Meeresschutzgebiete sind unverzichtbar, um die Vielfalt mariner Arten und Lebensräume zu sichern. 

Daher laufen nicht nur im Nordostatlantik, sondern weltweit  Bemühungen, ökologisch wertvollen Gebiete im Weltmeer zu identifizieren, deren Bedeutung zu bewerten sowie unter Schutz zu stellen. Hier hat die Staatengemeinschaft eine große Verantwortung, die vereinbarten Ziele der Konvention zum Schutz der biologischen Vielfalt auch umzusetzen.

Zum Film „Schutzgebiete sichern marine Lebensvielfalt“ auf der Homepage des BfN (16:20 Minuten)

Zum Film „Schutzgebiete sichern marine Lebensvielfalt“ auf Youtube (16:20 Minuten)

Zur Broschüre "Aktiv für den Meeresnaturschutz" vom BfN, die direkt heruntergeladen oder im Klassensatz bestellt werden kann

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