ÖkologieDas Geschäft mit dem Müll

In Deutschland wird immer mehr Müll produziert. Doch was passiert damit? Ein Großteil wird weltweit gehandelt. Welche Bedeutung der Müll für die Zielländer hat, zeigt das Beispiel des Elektromülls, der nach Ghana verschifft wird.

Illustration Eimer mit Elektromüll

Der Einsatz von Material im Geographieunterricht zeigt den Schülern die weltweiten Handelsströme von Elektromüll auf. Foto: © Lorelyn Medina/123rf

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Wir produzieren immer mehr Müll

Unser stetig steigender Konsum, aber auch die immer kürzeren Halbwertszeiten von verschiedensten Gütern des täglichen Bedarfs, führen dazu, dass immer mehr Müll produziert wird. Der „Konsumhunger“ der Gesellschaft wächst unaufhörlich.

Obwohl Recycling eine immer größere Rolle spielt, ist die jährliche Menge an Müll, die pro Kopf in Deutschland produziert wird, in den vergangenen Jahren wieder leicht angestiegen. Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung nicht nur an dem Aufkommen an Haushaltsmüll, sondern vor allem das Aufkommen an Elektromüll (und auch Plastikmüll) ist in den vergangenen Jahren signifikant angestiegen. Es wird prognostiziert, dass bis zum Jahr 2021 jährlich über 52 Millionen Tonnen Elektroschrott anfallen. Deutschland zählt zu den größten Produzenten an Elektroschrott. Im Durchschnitt fallen pro Kopf 22,8 kg an (Stand 2016), die Tendenz ist steigend.

Auch in Zukunft wird damit gerechnet, dass die weltweite Erzeugung von Elektroschrott ansteigen wird. Vor allem, wenn weltweit in den Schwellen- und Entwicklungsländern mehr Wohlstand eintritt, denn schon heute belegen China und Indien die Plätze 1 und 4 in der Weltrangliste der Länder mit dem größten Elektroschrott-Aufkommen.

Handelsgut Elektromüll

Elektromüll wird zukünftig ein zunehmend bedeutendes Handelsgut auf dem Weltmarkt sein. Schätzungen zufolge werden weltweit etwa jährlich bis zu 17 Millionen Euro mit dem Handel von Elektroschrott eingenommen.

Der Elektroschrott wird insbesondere zwischen EU-Staaten und Schwellen- sowie Entwicklungsländern gehandelt. Dabei könnte Elektroschrott ein enormes Potenzial für deutsche Unternehmen bieten: Von den zwei Millionen Tonnen Elektroschrott, den die Deutschen jährlich produzieren, gelangen nur 700.000 Tonnen in das Recycling-System der Bundesrepublik. Umgerechnet bedeutet dies, dass weniger als 40 Prozent des Elektroschrotts in Deutschland recycelt werden. Der regulären Recycling-Wirtschaft in Deutschland und in Europa entgehen damit große Mengen an Elektroschrott, was einem geschätzten Materialwert zwischen 800 Millionen und 1,7 Milliarden Euro jährlich entspricht.


 

Zur Ausgabe 'Welthandel'

Der Welthandel hat in der jüngsten Vergangenheit eine beispiellose Ausweitung erfahren. Was sind die Ursachen hierfür? Das und mehr erfahren Sie in dieser Ausgabe.


Welthandel

geographie heute Nr. 346/2019

 


Agbogbloshie – Endstation für Elektromüll

Wie der Handel mit Elektroschrott endet, zeigt das Beispiel Agbogbloshie. Die riesige Elektroschrotthalde erstreckt sich auf etwa 16 km2 und zählt zu den Orten auf der Welt, die am stärksten verseucht sind. Täglich werden Container und LKW-Ladungen mit Elektroschrott vom Hafen Tema zur Elektroschrotthalde gebracht, denn Agbogbloshie ist eine Endstation des Welthandelsguts Müll.

Da Ghana über keine Infrastruktur zum Recyceln verfügt, wird dieses vom informellen Sektor übernommen. Die Arbeiter in Agbogbloshie durchsuchen den Elektroschrott nach verwertbaren Rohstoffen wie Aluminium und Kupfer. Durch die Verbrennung der Kabel und der Gehäuse werden giftige Stoffe wie Cadmium, Phosphor und Quecksilber freigesetzt.

Die Böden und Flüsse rund um das Gebiet gelten als verseucht, dennoch sind die Menschen aufgrund ihrer Armut dazu gezwungen ihre Feldfrüchte dort anzubauen. Obwohl die Situation in Agbogbloshie menschenunwürdig erscheint, ist diese Arbeit die einzige Einnahmequelle und dieser Ort eine Heimat für die Menschen.

Müll als Thema im Geographieunterricht

Zur Einführung des Themas können im Plenum allgemeine Fragen zur Nutzung von Elektronik und der anfallenden Menge an Elektroschrott gestellt werden. Alternativ bietet sich auch ein Einstieg über Bilder von der Müllhalde Agbogbloshie an, die dann das Aufwerfen von gemeinsamen Fragestellungen ermöglichen.

Anschließend wird das Fallbeispiel Agbogbloshie näher betrachtet. Hierzu dient das Arbeitsblatt, das kostenfrei heruntergeladen werden kann. Mit entsprechenden Materialien (Diagrammen und Texten) wird der Frage nachgegangen, was mit dem bei uns erzeugten Elektromüll passiert und welche Bedeutung der Müll für die Zielländer hat.

Abschließend kann im Plenum gemeinsam diskutiert werden, welche Auswirkungen der lokale Konsum und die lokale Produktion von Müll auf den Welthandel haben.

Arbeitsblatt zum Thema Handel mit Müll: Das Beispiel Agbogbloshie zum Download

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