DidaktikLeistungsbewertung im Geographieunterricht

Die Unterrichtskultur verändert sich. Die Kompetenzorientierung prägt seit einigen Jahren auch den Geographieunterricht. Daher müssen auch bei den Bewertungsformen neue Wege eingeschlagen werden. Es existieren bereits zahlreiche Dokumente aus der Allgemein­didaktik bzw. den Erziehungswissenschaften. Aber wie lassen sie sich auf den Geographieunterricht übertragen?

Lehrer zeigt Schülern einen Ort auf der Karte

Leistungsbewertung im Geographieunterricht verändert sich. Es geht zunehmend auch darum, Gruppenarbeiten zu bewerten. Foto: © Christian Schwier/stock.adobe.com

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Entwicklung zur kompetenzorientierten Leistungsbewertung

Die Leistungsbewertung zielt im Schulalltag vorwiegend auf die Beurteilung des fachlich-inhaltlichen Bereiches des erweiterten Lern- und Leistungsbegriffes ab. Dabei wird Leistung im schulischen Kontext oft ergebnisorientiert betrachtet. Doch der Geographieunterricht ändert sich. Neue Unterrichtsformen und -methoden haben Einzug gehalten und etablieren sich. Unter dem Stichwort der Kompe­tenz­orientierung geht es nicht mehr nur um Ergebnisse und Produkte, sondern auch um Lernwege, Lernerkenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten, Einstellungen und die Reflexion des eigenen Lernprozesses.

Gleichzeitig legen Lehrpläne und Bildungsstandards exakt fest, welche Normen am Ende von Schulzyklen erreicht werden müssen. Diese zunehmende Öffnung des Unterrichts, aber auch die immer größeren Spannungsfelder zwischen gesellschaftlichen und pädagogischen Anliegen, zwischen Selbst- und Fremdeinschätzung sowie Einzel- und Gruppenleistungen, erfordern neue Formen der Leistungsbewertung, die diesem Variantenreichtum der Unterrichtsmethoden gerecht werden. Einfacher wird die Bewertung dadurch nicht.

Merkmale der veränderten Unterrichtskultur

Einige zentrale Merkmale der veränderten Unterrichtskultur wirken sich besonders bedeutsam auf die Bewertung im modernen, kompetenzorientierten Geographieunterricht aus:

  • Berücksichtigung der sechs Kompetenzbereiche der Bildungsstandards
  • Kompetenzorientierte Aufgabenkultur 
  • Förderung des vernetzten Denkens und Lernens 
  • Kooperatives Arbeiten
  • Individualisierung und Differenzierung der Lernprozesse
  • Schüleraktivierung
  • Methodenvielfalt
  • Produktorientierung

Die durch die Charakterisierung des modernen Geographieunterrichts notwendigen (neuen) Unterrichtsformen erfordern eine Leistungsbewertung, die diesen vielfäl­tigen Ansprüchen gerecht wird. 

Leistungsbewertung orientiert an den sechs Kompetenzbereichen

Zusammengefasst kann festgehalten werden, dass sich Bewertungsformen im Geographieunterricht an Operatoren (und damit klaren Anforderungen), Bildungsstandards und vielfältigen Produkten orientieren, Einzel- und Gruppenarbeiten berücksichtigen, komplexe Aufgabenstellungen beinhalten und allenfalls differenziert angewendet werden. Insofern ist nicht nur die Bewertung von Wissen, sondern auch die Bewertung von Fähigkeiten und Fertigkeiten (Können) sowie von Haltungen und Einstellungen bedeutsam. Außerdem ist die Bewertung durch die Lehrkraft durch die eigene Bewertung der Schülerinnen und Schüler – zumindest partiell – zu ergänzen.

Lernprozess und Lernprodukt bei der Bewertung berücksichtigen 

Eine Leistungsbewertung in einer modernen Lernkultur erfordert die Berücksichtigung des Lernprozesses und Lernproduktes. Nur durch eine Trennung von Lern- und Leistungssituationen wird eine prozessorientierte Sicht auf Leistung möglich. Als Folgerung für die Praxis ergeben sich unterschiedliche Formen von Leistungsbewertungen, die zum einen den Lernprozess begleiten und steuern, zum anderen den Lernprozess überprüfen. Dabei kann zwischen prozessbegleitenden und ergebnisüberprüfenden Lernerfolgskontrollen unterschieden werden.
 

Prozessbezogene mündliche
Lernerfolgskontrollen

Prozessbezogene schriftliche
Lernerfolgskontrollen

 
  • Rückfragen der Lehrkraft
  • Sicherungen von Zwischenergebnissen durch Schülerinnen und Schüler oder Lehrkraft
  • Zusammenfassungen am Ende einer Lerneinheit
  • Wiederholungen
  • Erläuterungen zu einem Tafelbild/Hefteintrag usw.
 
 
  • kurze schriftliche Übungen
  • schriftliche Zusammenfassungen von Teilergebnissen
  • Lerntagebuch/Portfolio
  • entsprechend formulierte Hausaufgaben
 

Ergebnisorientierte mündliche
Lernkontrollen

Ergebnisorientierte schriftliche
Lernkontrollen

 
  • Kontrollfragen der Lehrkraft über erreichten Stand an Wissen, Kenntnissen, Methoden usw.
  • zusammenhängende Darstellung der Lernergebnisse zum Abschluss der Behandlung einer Unterrichtsreihe
  • Referate und Gruppenpräsentationen
  • entsprechend formulierte Hausaufgaben
 
 
  • Klassenarbeiten/Klausuren
  • schriftliche Tests
  • entsprechend formulierte Hausaufgaben
  • Lernprodukte (künstlerisch, schriftlich, digital usw.)
  • Protokolle, Exkursionsberichte
 


Entscheidend ist der Blickwinkel bzw. Fokus, der angewendet wird, denn auch prozessbezogene Arbeiten und Rückmeldungen können als Ergebnis betrachtet und bewertet werden.

Betont werden soll, dass die Leistungsbewertung vor allem im kompetenzorientierten Unterricht von großer Bedeutung ist, gilt sie doch als Lernhilfe, als Leitfaden für die zukünftige Entwicklung, als Ableitung von anzustrebenden Handlungen und als Standortbestimmung der zu erwerbenden Kompetenzen. In diesem Sinne umfasst die Bewertung außer den fachlichen Zielen auch methodische und soziale Ziele. 

Leistungsbewertung im Geographieunterricht

Im Geographieunterricht ist das umfassende Verständnis der Leistungsbewertung zentral. Besonders, wenn neue Formen und die Schülerbeurteilung hinzukommen. Diese Aspekte tragen zum weiteren Lernverlauf der Schülerinnen und Schüler bei und zeigen den momentanen geographischen Leistungsstand auf. In einem Fach ohne Selektionswirkung sind beide Aspekte vorteilhaft und wirken sich motivierend auf die Lernenden aus, weil ihnen die Bedeutung der Lernleistung im Fach – für das Verständnis der Welt – transparent gemacht werden kann. 

Dass sowohl mündliche und schriftliche Bewertungsformen, als auch soziale und methodische Kompetenzen einbezogen werden, entspricht u. a. den Anforderungen der geographischen Bildungsstandards. Darin sind Kompetenzen formuliert, die von den Lernenden in Bewertungs- und Sprechanlässen gezeigt werden können. Zudem wird erwartet, dass die Schülerinnen und Schüler methodisch versiert sind, sich Informationen beschaffen, diese auswerten und bewerten können. Diese Kompetenzen lassen sich weniger gut in schriftlichen Prüfungen testen. Daher eignen sich hierfür:

  • kooperative Lernformen,
  • Produkt- und Prozessbewertungen in Arbeitsphasen oder Referaten,
  • Portfolios und
  • Diskussionsrunden.


Zum Produkt: Prüfen und Bewerten

Nach wie vor ist die häufigste Form der Leistungsbewertung die Klassenarbeit. Warum nicht mal eine kooperative Lernform, etwa ein Venn-Diagramm, oder eine Präsentation bewerten?


Prüfen und Bewerten

geographie heute Nr. 340/2018



 

Chancen und Herausforderungen der aktuellen Leistungsbewertung

Im Geographieunterricht sind neue Bewertungsformen viel mehr Chance als Herausforderung. Sie tragen dazu bei, dass sich der Geographieunterricht verändern und entwickeln kann und die Kompetenzorientierung umgesetzt wird.

Zum einen bietet die Ausrichtung an den Bildungsstandards im Unterricht viele Gelegenheiten zu abwechslungsreichen Bewertungsformen. Zusätzlich zum Fachwissen und der (traditionell gut verankerten) Raumorientierung sollen und müssen Bewertungssituationen geschaffen werden für die Arbeit mit Medien und den Erwerb von Fähigkeiten (Erkenntnisgewinnung), für die Kommunikation und die Bewertung von Situationen. Das können beispielsweise

  • Recherchen,
  • die Auswertung von Medien,
  • Referate,
  • Präsentationen oder
  • Podiumsdiskussionen sein.

Sie spielen nicht nur im Lernprozess eine wichtige Rolle, sondern auch bei der Bewertung. Entsprechend dürfen die Sequenzen, in denen so gearbeitet wird, auch einen ihren gebührenden Stellenwert einnehmen.

Zum anderen werden ausreichend Produkte im Geographieunterricht erzeugt, die grundsätzlich alle bewertet werden können. Außerdem ist die Geographie selten ein Selektionsfach, sodass sich die Bewertung an den eigens formulierten Kompetenzen (und Zielsetzungen) orientieren kann.

Fazit: So klappt die kompetenzorientierte Leistungsbewertung

Wichtige Folgerungen für den Geographieunterricht sind also:

  • die verbindliche Orientierung der Lehrkraft (und der Schülerleistung) an Kompetenzen, denn bewertet werden kann nur das, was zuvor formuliert und festgelegt wurde; 
  • die daraus abgeleitete klare Formulierung von Aufgabenstellungen mithilfe von Operatoren;
  • die produktorientierte Arbeits- und Lernkultur (mündlich und schriftlich), denn sie gewährleistet neben einer verbindlichen Arbeitsweise, dass ausreichend Belege für Leistungen vorliegen,
  • Transparenz über Erwartungen und Bewertungskriterien.

Angesichts der Befürchtungen, die mit der Leistungsbewertung einhergehen, ist es notwendig, praxistaugliche, für den Geographieunterricht geeignete, Bewertungsformen auch konkret zu dokumentieren. Die Ausgabe "Prüfen und Bewerten" soll dazu einen Beitrag leisten. 

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