Der BudgetansatzNicht mehr als plus zwei Grad!

Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) legte erstmal bei der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen (2009) und im Vorfeld von Paris (2015) einen konkreten Vorschlag vor, wie das politisch kommunizierte und wissenschaftlich empfohlene +2°-Ziel wahrscheinlich erreicht werden kann: mithilfe des Budgetansatzes, der in dieser Unterrichtseinheit im Fokus steht.

Kann der Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur noch auf +2° begrenzt werden?

Kann der Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur noch auf +2° begrenzt werden? Foto: meineresterampe/Pixabay CC0 Creative Commons

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Der Budgetansatz

Dass der Klimawandel längst unsere Gegenwart bestimmt, wird auch durch die weltweit zu beobachtende Doppelstrategie von CO2-Reduktion und der Ausarbeitung offizieller Anpassungsstrategien deutlich. Bemerkenswert dabei ist, dass die gesellschaftliche Wahrnehmung und Handhabung der CO2-Problematik auf eine Vielzahl teils einfach zu erreichender, teils durch raffinierte Technologien bewirkte Emissionsvermeidung ausgerichtet ist, ohne dass ein Bewusstsein über die globalen Erfordernisse und Rahmenbedingungen entwickelt wurde. An dieser Stelle setzt der 2009 zur Weltklimakonferenz in Kopenhagen entwickelte Budgetansatz an: Berechnet wird zunächst das Budget an CO2-Emissionen, das die Weltbevölkerung bis 2050 emittieren darf, wenn mit einer Wahrscheinlichkeit von zwei Drittel die Erhöhung der globalen Durch­schnitts­temperatur um zwei Grad nicht überschritten werden soll. Dieses Budget wurde auf 750 Milliarden Tonnen CO2 berechnet. Auf der Grundlage dieses Kalkulationsergebnisses ist zu klären, was die Zahl für die gegebene Situation und unsere Lebens- und Wirtschaftsweise bedeutet und wer bis 2050 wie viel CO2 emittieren darf. Demnach müssten etwa 80 Prozent der heute bekannten und nachgewiesenen fossilen Rohstoffe in ihren Lagerstätten bleiben und dürften nicht gefördert werden. 

CO2-Emissionsbudget pro Kopf

Orientiert am Grundsatz der gleichen Rechte für alle Menschen berechnete der WBGU, dass jedem Mensch bis 2050 pro Jahr ein CO2-Emissionsbudget von etwa 2,7 Tonnen zusteht. Das ist weniger als durch eine Flugstrecke Frankfurt – New York an klimawirksamer Emission verursacht wird. Die nationalen Budgets ergeben sich folgerichtig aus der Multiplikation dieses Pro-Kopf-Budgets mit der Einwohnerzahl eines Staates für den entsprechenden Zeitraum. Für Deutschland bedeutet dies, dass bis 2050 maximal weitere 9 Mrd. t CO2 emittiert werden dürften. Die Brisanz dieser Zahl ist nur vor dem Hintergrund der aktuellen Emissionswerte von 0,91 Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr einzuordnen. Damit wird deutlich, dass Deutschland spätestens 2020 seine Emissionsrechte aufgebraucht hätte, wenn alles so weiter ginge wie bisher. Für andere Gesellschaften errechnen sich aufgrund geringerer, zum Teil drastisch niedrigerer Pro-Kopf-Emissionen und/oder geringerer Einwohnerzahlen längere Zeiträume für die ihnen nach diesem Ansatz zustehenden Emissionen. Die länderspezifisch errechneten Reichweiten dokumentieren sehr unterschied­liche Realitäten. Gleichzeitig eröffnen sie aber auch Chancen für einen weltumspannenden und dadurch auch wirksamen Emissionshandel sowie für einen Transfer grüner Technologie. Denn die Länder der Gruppe 1 können durch den Kauf von Emissionsrechten von Entwicklungsländern Zeit für die Transformation ihrer eigenen Energiewirtschaft gewinnen und zugleich könnte die Vergütung der erworbenen zusätzlichen Emissionsrechte mit dem Transfer emissionsarmer Technologien in Entwicklungsländer kombiniert werden. 

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