GeologieEntstehung des Mittelmeeres: Wechselvolle Geschichte in einem tektonisch aktiven Raum

Das Europäische Mittelmeer liegt in einem der kompliziertesten tektonischen Räume der Erde, denn der Mittelmeerraum ist von einer Vielzahl an Plattengrenzen durchzogen. Seinen Ursprung hat das Mittelmeer vor Jahrmillionen, als der Urkontinent Pangäa zu zerbrechen begann. Aber was passierte dann?

Berg von Gibraltar

Über die Straße von Gibraltar drang Meerwasser in das trockene Becken ein und füllte das Mittelmeer vor rund 5–6 Millionen Jahren auf. Foto: David Mark/Pixabay CC0 Creative Commons

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Entstehung des Mittelmeeres

Vorläufer des Mittelmeeres war der Tethys-Ozean. Er war das flächengrößte Gewässer der Erde, als der Urkontinent Pangäa im Perm zu zerbrechen begann. Aus ihm entstanden der Südkontinent Gondwana und der Nordkontinent Laurasia. 

Die Afrikanische Platte, ein Teil des Südkontinents Gondwana, driftete im Trias/­Jura vom nördlichen Teilkontinent Laurasia nach Süden. Daraus ergab sich an dieser Stelle die Tethys-Öffnung reißverschlussartig nach Westen. Mit der späteren Norddrift der Afrikanischen Platte, ein Bruchstück des ehemaligen Südkontinents Gondwana, in der Kreidezeit, kollidierte diese schließlich im Tertiär mit dem Südrand Europas. Als Folge kam es zur Teilung des westlichen Tethys-Ozeans in einen Nordteil, die Paratethys, und einen Südteil, den Vorläufer des heutigen Mittelmeeres.

Meeresspiegel- und Salinitäts­veränderungen

Das stark salzhaltige interkontinentale Mittelmeer, der Südteil des ehemaligen Tethys-Ozeans, durchlebte nach der Teilung einen Zyklus des Wechsels von Austrocknung und Wiederauffüllung von Meerwasser und damit verbundenen Salinitätsvariationen. Bedingt durch tekto­nische Veränderungen, wie Hebungen von Meeresschwellen und Dammeinbrüchen bei Gibraltar, aber auch durch einen Klimawandel, gab es im Mittelmeer unterschiedliche Meeresspiegelstände.

Im Messinium (oberstes Miozän) erfuhr das Mittelmeer eine Austrocknung. Zu dieser Zeit war es noch nicht über die Straße von Gibraltar mit dem Atlantik verbunden, sondern über Meeresarme, die über Südspanien und durch das Atlasgebirge führten. Die Schließung dieser Verbindungen erfolgte durch die Kollision Afrikas mit Europa. Durch das Zusammenspiel von plattentektonischer ozeanischer Isola­tion, aridem Klima und starker Verdunstung sank der Meeresspiegel damals mehrmals ab. Es bildete sich eine Salzwüste, die heute durch mächtige Gips- und Salzlager am Meeresboden nachweisbar ist. 

Jahrtausende später drang Meerwasser vom Atlantik über die Straße von Gi­braltar in das trockene Becken ein und füllte das Mittelmeer vor ca. 5 – 6 Millionen Jahren auf.


 

Mittelmeerraum

Die Entstehung ist nur eins von vielen interessanten Themen rund um das Mittelmeer. Mehr finden Sie im Heft:

 


Der Meeresspiegel im Eiszeitalter

Im Periglazial der Würm-(Weichsel-)Kaltzeit lag der Meeresspiegel des Mittelmeeres ca. 120 m tiefer als heute. Es bestanden Landverbindungen zum Beispiel zu den griechischen Inseln. Sardinien und Korsika waren eine große zusammenhängende Insel, ebenso Sizilien und Malta. Östlich von Tunesien sowie vor den Rhone-, Nil- und Ebro-Mündungen breiteten sich große Küstenebenen aus.

Am Ende des Pleistozäns kam es zum sogenannten glazioeustatischen Anstieg des Meeresspiegels um jährlich 0,2 Zentimeter. So lag der Meeresspiegel im frühen Holozän 35 Meter tiefer als der heutige Meeresspiegel. Die Barriere zum Schwarzen Meer wurde um 5 600 v. Ch. überschwemmt.

Das Thema im Geographieunterricht

Die Schülerinnen und Schüler können sich Kenntnisse zu Merkmalen und Entstehung des Mittelmeeres erschließen, indem sie sich zunächst die plattentektonische Situation im Mittelmeerraum bewusst machen. Verwendet werden kann hierfür beispielsweise eine Atlaskarte, die die Situation im Mittelmeerraum zeigt.

Denkbar ist auch, dass die Schülerinnen und Schüler mithilfe einer Karte des Meeresbodenreliefs eine Profilskizze des Meeresbodens zeichnen. Hierbei wird deutlich, dass der Meeresboden zwischen Gibraltar und Beirut nicht eben ist, sondern auch hier die Auswirkungen der Plattentektonik sichtbar sind.

Um eine abschließende Übersicht zu den einzelnen Schritten der Entstehung des Mittelmeeres vorliegen zu haben, ist es sinnvoll, die Schülerinnen und Schüler eine Tabelle erarbeiten zu lassen. Grundlage hierfür sollte ein kurzer Text zur Entstehung des Mittelmeeres sein, dem die wichtigsten Zeitpunkte und Ereignisse zu entnehmen sind. Ein Beispiel ist das folgende Ereignis: Vor rund 250 Millionen Jahren zerfiel der Superkontinent Pangäa in den Südkontinent Gondwana und den Nordkontinent Laurasia. Abschließend kann die Entstehung des Mittelmeeres in den Wilson-Zyklus eingeordnet werden. 


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